Pressemeldungen
  • Erbe über Eck

    Nach einer Scheidung gehen Eheleute regelmäßig auch vermögensmäßig getrennte Wege. Dies ist in der Regel gewollt und gut so. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass dem geschiedenen Partner nach einem Erbfall doch noch Vermögen zufällt. Insbesondere bei gemeinsamen Kindern kann der Ex-Partner über die Kinder noch „Erbeserbe“ werden. Wer dies nicht möchte, muss ein Testament errichten. (...)
    [April 2018]
  • Nach Hauskauf unbedingt beim Schornsteinfeger melden

    Wer ein Grundstück kauft, muss viele Dinge im Vorfeld beachten. Und auch mit dem Schlüssel in der Hand hat der neue Eigentümer einiges zu regeln. Während er entscheiden kann, ob er Versicherungsverträge, Lieferverträge für Strom und Gas oder Telekommunikationsverträge übernimmt oder kündigt, hat er bei der Feuerstättenschau keine Wahl. Der neue Eigentümer muss dem Bezirksschornsteinfeger den Eigentumsübergang sogar unverzüglich mitteilen, sonst droht eine Geldbuße. (...)
    [März 2018]
  • Dr. Marius Kohler neuer Präsident des Rats der Notariate der Europäischen Union

    Berlin, 22. Januar 2018 – Der hamburgische Notar Dr. Marius Kohler hat am 19. Januar 2018 die Leitung des Rats der Notariate der Europäischen Union übernommen. Auch Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas nahm an der feierlichen Amtsübergabe teil und würdigte in seiner Ansprache die besondere Bedeutung der Notarinnen und Notare für Rechtssicherheit und Verbraucherschutz, die auch im Rahmen einer Weiterentwicklung des elektronischen Rechtsverkehrs erhalten bleiben müsste. (...)
    [Januar 2018]
  • Paradiesische Zustände für Briefkastenfirmen

    Den "Paradise Papers" zufolge herrschen in einigen ausländischen Staaten paradiesische Zustände für Briefkastenfirmen. Hierbei geht esi nicht nur um Steuerdumping (...)
    [November 2017]
  • Warum erbt Helmut Kohls Witwe allein?

    Maike Kohl-Richter, Witwe von Altkanzler Helmut Kohl, soll dessen Alleinerbin sein. Doch was ist mit seinen beiden Söhnen, Walter und Peter, die Helmut Kohl mit seiner verstorbenen Ehefrau Hannelore Kohl hatte? Warum erben die nichts? Haben sie nicht wenigstens einen Pflichtteilsanspruch? (...)
    [Oktober 2017]
Alle MeLDungen
Staatlich anerkannte Gütestelle

Schlichten statt Klagen: Heute ist bei Streitigkeiten zwischen zwei Parteien der Gang zum Gericht nicht mehr das alleinige Mittel. Überlastete Gerichte, lange Verfahrensdauer und eine vorrangig auf die Vergangenheit bezogene Streitfallerledigung stehen oft im direkten Gegensatz zu den Interessen der Beteiligten: Geboten ist häufig nur die Klärung einer Sach- oder Rechtsfrage, um dann wieder zukunftsgerichtet gemeinsam weiterarbeiten zu können.


Der Gesetzgeber sieht die außergerichtliche Streitbeilegung anstatt streitiger Verfahren vor den Gerichten ausdrücklich vor. Neben einer Vielzahl von Schlichtungsmodellen, wie z. B. Mediation, Conciliation etc., gibt es im Freistaat Sachsen für alle - insbesondere auch für Unternehmen - geeignete staatlich anerkannte Gütestellen.

 

Was ist eine staatlich anerkannte Gütestelle?

Staatlich anerkannte Gütestellen nach § 794 Abs. 1 Nr. 1 der Zivilprozessordnung sind insbesondere auch Notare. Von den klassischen Schlichtungsstellen unterscheiden sich Gütestellen zum Vorteil der Streitparteien dadurch, dass

  • ein eingereichter Antrag auf Schlichtung automatisch und ohne Zustimmung der anderen Partei zur Unterbrechung der Verjährung führt, bis das Verfahren beendet ist;
  • die mühsame Suche eines geeigneten Schlichters und die Einigung auf eine Verfahrensordnung entfällt;
  • die Gütestelle unmittelbar nach der gütlichen Einigung der Verfahrensbeteiligten fachkundig einen Vergleich festschreiben und einen - bei Notaren als Gütestelle - sofort vollstreckbaren Titel schaffen kann, so dass anschließend das Ergebnis der Einigung im Ernstfall unverzüglich zwangsweise durchgesetzt werden kann.

 

Was kostet ein Schlichtungsversuch?

Für notarielle Gütestellen gelten die Kostensätze der Freiwilligen Gerichtsbarkeit, die deutlich niedriger sind als die Gerichtskosten der streitigen Gerichtsbarkeit. Zum anderen werden die Gebühren fallbezogen berechnet und richten sich - anders als bei anderen Schlichtungsstellen - nicht nach dem Zeitaufwand, sondern nach dem zugrundeliegenden Geschäftswert.

 

Wie kommt man zu einer Gütestelle?

Vertragspartner können vereinbaren, dass vor einem gerichtlichen Verfahren zunächst die Gütestelle angerufen werden muss. Zweckmäßigerweise sollte eine solche Vereinbarung bereits zum Inhalt der Verträge gemacht werden, die die Vertragspartner miteinander schließen. Eine entsprechende Klausel könnte wie folgt formuliert sein:

  1. Die Parteien vereinbaren, ihre eventuellen Differenzen nur im äußersten Fall gerichtlich auszutragen. Sie werden sich bemühen, sie auf friedlichem Wege zu regeln. Zu diesem Zwecke kann sich jeder der Vertragsteile zunächst an eine staatlich anerkannte Gütestelle i. S. v. § 794 Absatz 1 Ziff. 1 ZPO wenden.
  2. Die Parteien verpflichten sich, in ein Schieds- oder Gerichtsverfahren weder als Tatsachenvortrag noch als Beweismittel noch in sonstiger Weise einzuführen:
    a) die von einer Partei geäußerte Meinung oder die von ihr gemachte Empfehlung hinsichtlich der möglichen Erledigung des Streits
    b) den Umstand, dass eine Partei ihre Bereitschaft mitgeteilt hat, einen von der Gütestelle gemachten Vorschlag zur Erledigung des Streits anzunehmen. Die Parteien sind jedoch berechtigt, den mit Gründen versehenen Vorschlag der Gütestelle in das Verfahren einzuführen. Die Parteien sollen in einem anschließenden Schieds- oder Gerichtsverfahren den Notar nicht als Zeugen benennen.
  3. Die Parteien sind berechtigt, den ordentlichen Gerichtsweg einzuschlagen, sobald die angerufene Gütestelle den Vorschlag für eine vergleichsweise Erledigung des Rechtsstreits gemacht hat, in jedem Fall jedoch acht Wochen nach Antragstellung.

Unabhängig von einer solchen vorsorglichen Vereinbarung kann jedermann in einem Streitfall auf Antrag die Gütestelle mit der Schlichtung beauftragen. Diese lädt nach Antragseingang und Zahlung des erforderten Kostenvorschusses die andere Partei zum Gütetermin. Im Termin unterbreitet sie nach Erörterung einen Lösungsvorschlag, der bei Zustimmung sofort protokolliert wird.

Wann ist die Anrufung einer Gütestelle sinnvoll?

Grundsätzlich sind alle vermögensrechtlichen Streitigkeiten bei einer Gütestelle gut aufgehoben, weil diese anhand des ohne Förmlichkeiten eingebrachten Parteivortrages die Streitpunkte herausfiltert und unter wirtschaftlicher Betrachtungsweise Lösungsvorschläge unterbreitet. Solche Lösungswege berücksichtigen dann auch immer ersparte Prozesskosten. Vor der Gütestelle können die Verfahrensbeteiligten auch mit Rechtsanwälten auftreten, insbesondere dort, wo sie es z.B. wegen der schwierigen Materie für zweckmäßig erachten; ein Anwaltszwang besteht aber nicht, und zwar unabhängig vom Streitwert.

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